Musikalischer Herbst….

Es war der 29. Sept 1990 und ich war 15  Jahre jung. Ich weiss noch genau, wie ich mich die letzten Tage vor dem großen Tag schon unfassbar freute und es kaum erwarten konnte endlich auf das erste große Konzert in meinem Leben gehen zu können.

Depeche Mode auf ihrer World Violation Tour.

Von unserem Dorf mussten wir mit dem Bus in die nächstgrößere Stadt, von dort dann mit der Straßenbahn in die wiederum nächstgrößere Stadt und von dort dann endlich mit dem Zug nach Dortmund.

In den Jahren zuvor und auch danach lief wie bei Vielen in meinem Alter Depeche Mode rauf und runter. Ebenso New Order, The Cure, U2 und alles was es da sonst noch in dieser Richtung gab, aber Depeche Mode war es vorbehalten, mein erstes großes Konzert zu sein.

Noch ganz genau kann ich mich an die ersten Takte von „World in my eyes“ erinnern und wie das was ein Popkonzert war begann. Und es war sehr beeindruckend, erstmalig ein Teil von einer solchen Inszenierung zu sein. Jahre später, nach vielen Konzerten wurde mir dann mal langsam klar, dass insbesondere U2 und Depeche Mode Konzerte ja schon fast sakralen Charakter haben.

 

Lustig, ein Konzert aus der heutigen Sicht sich noch einmal anzuschauen, Dave wird mittlerweile hoffentlich nicht mehr so rumhampeln 🙂

Das ganze Konzert war unglaublich beeindruckend und auch wenn die Rückreise incl. Übernachtung auf einem Bahnhof alles andere als entspannt war, einer der Abende in der Jugend die man wohl niemals vergessen wird.

Ein paar Jahre gingen ins Land und nach dem Abi kam die Zivizeit. Erstmalig zu Hause ausgezogen, erstmalig in erwähnenswert großen Mengen selbst verdientes Geld und eine Unbeschwertheit, dass irgendwie schon alles gut gehen wird, wenn auch noch ungewiss wie genau.

Es war 1996, meine Freundin war weg in die Südsee, allein…. Fettes Brot wurde langsam bekannt und Sie passten damals genauso mit ihrer Musik in meine damalige Stimmung.

Ich muss zugeben, dass ich mich nicht mehr an das erste Konzert mit den Broten erinnere, aber es sind über die Jahre ein paar sehr tolle Abende zusammen gekommen und ihr „Konzert“ im Rahmen der Popkomm, wo sie mit einem Bollerwagen und einem Ghettoblaster – so nannte man das wohl früher – von Bankvorraum zu Bankvorraum in der Kölner Innenstadt zogen war sehr toll. Es endete mit etwa 40 Leuten in der VR Bank am Ring wo sie auf den Geldautomaten standen und spielten, man mit den Jungs gequatscht hat und die eigentliche Frage war, wann die Polizei das ganze auflöst.

Nach etlichen Jahren mit Bands wie Fettes Brot, Fischmob, der Tobi und das Bo und all den üblichen Verdächtigen wandelte sich der Geschmack wieder ein wenig und es ging zurück in Richtung Gitarrenmusik. Unter all den verschiedenen Bands die mich da über Jahre auf Konzerten beeindruckten nahm dabei Placebo immer eine besondere Rolle ein. Man hat/hatte immer das Gefühl, als würden sie wirklich spielen, als wäre es ihr letzter Abend gemeinsam auf einer Bühne. Das damalige Konzert im sehr kleinen E-Werk mit dem „Where is my mind“ Highlight am Ende und das ersten gemeinsamen Placebo Konzert mit meiner heutigen Frau und damaligen Freundin werden dabei immer eine herausragende Stellung haben.

 

Und obwohl ich nicht sagen würde, dass dies unbedingt immer die besten Konzerte waren – dazu vielleicht mal in einem anderen Blogeintrag mehr – muss ich sagen, dass diese Band alle so wie sie sind zum damaligen Zeitpunkt irgendwie stellvertretend für ihre Zeit wichtig für mich waren.

Und wie es der Zufall so will, geben sich alle 3 Bands in diesem Herbst/Winter ein Stelldichein in Köln und wir haben dann mal zugeschlagen und schauen uns alle 3 als verfrühtes Weihnachtsgeschenk an. Große Konzerte erwarte ich eigentlich nicht, Überraschungen wird es kaum geben, aber die 3 so knapp nacheinander und alle hier vor der Haustür so sehen zu können, ist schon ein kleines Fest für uns.

 

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