Rund um Köln 2013… done…

Die Liebste steht bei solchen Veranstaltungen gerne im Zielbereich und freut sich dann sehr, wenn ich um die Ecke gebogen komme und munter und in ganzen Stücken über die Ziellinie fahr. 2011 war sie ein wenig erschrocken über die lädierten Knochen, aber die Reaktion gestern war eine durchaus Neue und in dieser Form mir auch unbekannte.

„Du bist aber ganz schön dreckig.“

Ja, was soll man dazu sagen, als ich zu Hause in den Spiegel schaute, erinnerte es mich wirklich ein klitzekleinwenig an die Fahrer von Paris Roubaix, die nach der Ankunft aussehen als hätten Sie unter Tage stundenlang Kohle abgebaut.

Der Wetterbericht vorher war so wechselhaft wie es das Wetter am Tag selbst dann auch war. Am Abend vorher noch mit Freunden gegessen, dann um 9.10 Uhr pünktlich in die Startaufstellung und warten. Klamottentechnisch hatte ich gemischt, kurze Hose weil die Beine dann schneller trocknen und oben rum ein Trikot, 2 Langarmtrikots und eine Windweste. Die Regenjacke habe ich mir vorne unters Trikot gesteckt, sieht aus als hätte ich nen Kölschfass verschluckt, komme ich aber im Bedarfsfall schneller ran und stört auch nicht.

5min vor Start. Alle holen die Regenjacken raus, es fängt doch wirklich an zu regnen. Start! Es fängt an zu hageln. Und nicht zu knapp.

Wir sind in Startblock B. Meine Befürchtung ist ein wenig, dass wenn die Ambitionierten aus Startblock C kommen es ein Hauen und ein Stechen gibt wenn die durch das Feld pflügen. Daher mein Plan, so weit wie möglich rechts und an ein Team ranhängen. Die „Ironhams“ fahren im Verbund und wirken so, als wenn sie wüsste was sie tun. Heute konnte ich dann feststellen, dass „Der Pät“ dem ich bei Twitter folge, zu diesen Ironhams gehörte. So klein ist die Welt.

Nach der Welle der Ambitionierten ging es über die Mühlheimer Brück. Ich verabschiedete mich nach vorne und es fanden sich bis zum ersten Anstieg immer wieder wild durcheinander gewürfelte Gruppen, alles Koalitionen auf Zeit, längerfristig waren die Leute einfach zu heterogen gemischt.

Den ersten Anstieg zu Esel hoch – der so bisher nicht gefahren wurde – kannte ich aus der letzten Trainingswoche. Es lief ganz gut, Tritt war flüssig und die Sonne kam langsam raus. Mein Plan, die nächste Abfahrt und das Talstück abwarten und dann raus aus der Regenjacke. In der Abfahrt war ich recht einsam, was ich auch nicht bedauerte. Regennasse rutschige Straße und große Gruppen lassen mich nicht unbedingt jubilieren.

Aber am heutigen Regentag waren alle sehr vorsichtig, jeder bremste auch mal lieber ein paar Sekunden früher und nahm sich zurück und so war es auch in der Hinsicht ein sehr gelungenes Rennen.

Unten dann im Stück vor Sand habe ich eine Gruppe erwischt, und wir donnern Richtung Anstieg. Ich merke das der Tritt gut ist und auch die Durchschnittsgeschwindigkeit passt. Die Sorge im Besenwagen zu landen schwindet langsam.

Im steilsten Stück der Strecke funktioniert der Selbstbetrug wie immer sehr gut. „3 min Augen zu und durch, treten und gleich haste es geschafft“. Leider beginne ich im letzten Stück darüber nachzudenken wie ich meine Regenjacke los werde. Oben richte ich mich auf, Krieg das dumme Ding irgendwie nicht richtig ausgezogen, hänge mit der einen Hand fest und muss am Ende anhalten. Kurzer Versuch Sie hinten ins Trikot zu stopfen scheitert, also wieder vorne unters Trikot.

Rasant geht es bergab, dann hoch zu Schloss, das Kopfsteinpflaster macht auch – trotz Nässe – keine Probleme und fast die Hälfte ist schon geschafft. Im nächsten Hochgeschwindigkeitsstück arbeite ich sehr gut mit einem älteren Herrn zusammen, wir wechseln und sehr gut ab und rasen so zur Streckentrennung. Im darauf folgenden Teil nach Rösrath sammeln wir vereinzelte Fahrer auf und der Rhythmus wird durcheinander gebracht. Schade, wir hätten bestimmt noch ein paar KM zusammen schnell fahren können.

Andererseits ist es vielleicht auch gar nicht so schlecht, die Beine ein wenig durchatmen zu lassen, die nächsten 3 Anstiege sind ja kein Spaß. Hatte ich nach dem ersten Anstieg immer noch einen Schnitt von über 31 wurde es nun interessant, wie es weiter gehen würde.  Durch Rösrath durch und hochkurbeln. Die Geschwindigkeit sind oft ins einstellige. Bin ich vielleicht doch zu schnell angegangen? Aber lieber hinten raus im Besenwagen als direkt zu Anfang weil man nicht genug Gas gegeben hat.

Den ersten der drei Anstiege bewältigt, immer noch 30er Schnitt. Oben geht es ein wenig über die Felder aber ich habe bei dem Wind und der langsam einsetzenden Erschöpfung Probleme den Tacho über 30 zu halten. Mir fällt auf, dass ich kaum getrunken habe, also mal einen tiefen Schluck nehmen und einen Riegel einwerfen.

Aus Overath raus geht es nach Hohkeppel, ich merke wie ich langsamer werde und der Schnitt sinkt. Jetzt bloß nicht scheitern, wo ich es bis hier geschafft habe. Immer weiter treten und nicht nachdenken. Leiden gehört da auch mal dazu und die Landschaft kann ich mir auch ein andermal noch anschauen. Die Abfahrt runter bin ich bereit etwas mehr Risiko zu gehen um auf eine Gruppe aufzufahren. Da schleicht einer vor mir rum, der noch schissiger ist als ich 🙂 Pech gehabt.

Immekeppel hoch muss ich nochmal austreten. Am Morgen kaum getrunken. Während des Rennes kaum getrunken, wo kommt das her?
Wie immer nimmt der Berg kein Ende und zieht sich, schlimmer aber als der Berg, sind die 2 Vögel, die hinter mir fahren und sich gegenseitig die ganze Zeit erklären, warum sie heute so schlecht sind. Das und das und das … können die nicht einfach sagen, „he, cool das ich so weit gekommen bin, mit dem wenigen und schlechten Training?“ Mein Schnitt ist im 28er Bereich und ich

Es wirkt ein wenig wie eine Gruppe der Geschlagenen, von etwa 10-12 Leuten die dann Richtung Dürscheid sich auf den Weg machen und wieder auf die alte Strecke kommen. Mein Schnitt ist mittlerweile nur noch knapp über 29 und ich denke mir nur, dass es jetzt langsame wirklich ärgerlich wäre, raus zu fliegen.

Sand und Bensberg ist schnell erledigt und es geht Richtung Heimat. Die Gruppe arbeitet einigermaßen zusammen, allerdings herrscht komplette Stille, keiner sagt einen Ton und es scheint so zu sein, als wollen einfach alle das Ding nur noch nach Hause bringen.

Auf der Ziellinie sehe ich die Liebste und freu mich, dass ich durchgekommen bin. Dreckig und Nass, so wie die Liebste mich später auch beschreibt bin ich, aber das ist in diesem Moment furchtbar egal.

Gernot und Michael meine Mitstreiter die ich bereits beim Start verloren hatte haben es leider nicht geschafft und wurden aus dem Rennen genommen.

Fazit ist für mich, dass ich sehr positiv überrascht war, wie umsichtig alle gefahren sind. Liegt es am späteren Termin und alle haben sich schon bei den RTF und anderen Rennen ausgetobt? Wäre wünschenswert. So jedenfalls steh ich im kommenden Jahr schon eher wieder am Start, was ich vor noch 2 Tagen nicht unbedingt unterschrieben hätte. Also alles gut gegangen.

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8 Gedanken zu “Rund um Köln 2013… done…

  1. Ja, schön geschrieben und vor allem klingt es als ob es dir Spass gemacht hat. Und das ist das wichtigste, nicht der Blick auf den Tacho 🙂

    Haste noch was für dieses Jahr geplant oder RUK 2014 das nächste Rennen?

  2. gratulation! da kommt velofieber auf. die bedingungen waren ja nicht ohne. nächstes jahr fahren wir das ding zusammen!

  3. Klingt alles in allem doch echt toll und ich bedauer es gerade, dass ich nicht dabei war. Hatte den Tag über meine RuK-Cap 2012 auf und habe viel an das Rennen letztes Jahr gedacht. die Chancen stehen gut, dass ich nächstes Jahr wieder dabei bin. Schöner Bericht!

    • Kenne ich, dieses Gefühl. Ist ja sogar noch schlimmer, wenn das Rennen vor der eigenen Haustür stattfindet. Wenn ich mich richtig erinnere bin ich 2007 mal auch nicht gestartet und es war genau, wie du es beschreibst.

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