Bora Bora 2.0

Mit einem Anruf hatten wir zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht gerechnet. Wer soll uns denn auch schon groß im Urlaub anrufen? Also mal abnehmen und schauen, was da wer will. Es meldet sich Laurence. Ihren Titel habe ich nicht so ganz verstanden, aber sie scheint so etwas wie eine Guest Relationship Managerin zu sein, oder was auch immer man sich für einen Titel für ihren Posten ausgedacht hat.

Die ersten Minuten verbringt sie damit sich zu entschuldigen. Wie unangenehm es dem Hotel doch wäre, dies würde in keinster Weise den Ansprüchen, die sie an sich selbst haben, gerecht werden, blablabla. Langsam bekomme ich ernsthaft fast Mitleid und muss an die Szene von Monty Python und der verdreckten Gabel denken. Hoffentlich tut sich hier keiner was an.

Sie erklärt uns nochmal, dass unser Bungalow jetzt grundgereinigt würde und ausgeräuchert, während wir unseren Ausflug machen. Da dies aber auch keine 100% Garantie wäre, würde man uns gerne eine weitere Unterkunft zeigen und vielleicht könnten wir uns ja mit dem Gedanken anfreunden, noch einmal umzuziehen.

Ok, jetzt wird es also spannend, was haben die denn da feines für uns in der Hinterhand.. 🙂

Es wäre ein Haus am Strand, also kein Über dem Wasser-Bungalow und wenn wir wollten, könnten wir ihn uns gerne mal ansehen. Aha, Strand… na gut, ich sehe das Vermittlungsproblem „Mountain View“ meiner Angetrauten gegenüber, aber was kann schon passieren, schauen wir uns das Hüttchen jetzt einfach mal schnell an.

Auf zur Rezeption, wo uns Laurence erwartet. Zur Rezeption bedeutet in diesem Fall ein Marsch von etwa 10min, man kann ja nicht mal eben in den Aufzug steigen und runter fahren, wie man es sonst vielleicht von Hotels gewohnt ist. Auf dem Weg dorthin, spekulieren wir nun erneut was kommt, von der besseren Hälfte höre ich zumeist die Wörter „Mountain view…“ sie ist halt Kind der Berge…

Laurence scheint furchtbar nett zu sein, und zwar nicht nur auf professionelle Art und Weise. Sie entschuldigt sich erneut und 2min später sitzen wir small talk plaudernd im Wägelchen und fahren in einen Bereich des Ressort, den wir bisher noch überhaupt nicht gesehen haben. Die Frage nach dem „Mountain View“ wird natürlich umgehend gestellt, die Antwort „kind of“ beruhigt mich nicht völlig, der leicht skeptische Blick der Süßen ebenso wenig.

Kurz darauf wird das Wägelchen geparkt und wir stehen vor einem Haus! Ok… also… das ist jetzt was?

Wir werden reingebeten und stehen in einem Wohn-, Esszimmer, das größer ist als unsere Wohnung in Köln. Äh… also… Wir schauen uns an und kommen uns irgendwie komisch vor, wie wir da so mit offenem Mund stehen. Die Führung beginnt. Es gibt einen Osttrakt mit einem Schlafzimmer einem Badbereich, Ankleidezimmer und allem was man so braucht. Diesen Bereich werden wir im Laufe des Aufenhalts gar nicht nutzen… die Tür bleibt einfach zu. Eine Küche mit einem richtigen Kühlschrank – richtig kalte Getränke ist sehr schön –  und Kaffeeautomaten. Gästetoilette mit eigener Dusche (!?), ein Durchgangszimmer führt dann zu unserem Schlafzimmer mit Ankleidebereich, von dort Richtung Bad und einer Badewanne, die halb im Haus drin und halb draußen ist. Wir bekommen immer größere Augen…

Auf die Terrasse und mein Mund geht gar nicht mehr zu… ein eigener Pool, ein eigener Jacuzzi und unser Garten geht direkt in den privaten Strand über wo die Liegen schon bereit stehen. Und von diesen Liegen dann auch direkten Blick auf den Berg.

Also… sprachlos sind wir und kommen aus dem staunen gar nicht mehr raus. Da muss man dann auch nicht lange überlegen und schon haben wir eine neue Unterkunft. Im Laufe des Aufenthalts schauen wir dann mal schnell im Internet nach und stellen fest, dass dies wohl mehr als ein upgrade ist, wir sitzen in einer 300m² Villa die sonst üblicherweise 4000€ pro Nacht kostet.

Laurence scheint zu merken, dass wir nahe an der Fassungslosigkeit vorbei schrammen und es wirkt zumindest auch so, als wenn sie auch ein wenig Freude daran hat zu sehen, wie wir mit großen Augen unser neues Domizil betrachten.

Auf einmal wird alles recht hektisch, wollten wir doch eigentlich bald zum Ausflug aufbrechen. Also schnell zurück zu unserem ursprünglichen Bungalow, dort packen und mit den Klamotten in unsere Villa umziehen. Beim packen sind wird dann erstmalig auch wieder alleine und freuen uns wie die kleinen Kinder und sind völlig aufgeregt und wiederholen immer wieder, was das doch für ein Wahnsinn ist. Jeder hat einzelne Details gesehen, die dem anderen nicht aufgefallen waren. „Hast du gesehen, nicht nur Bademantel sondern Bademantel und Morgenmantel.“ „Hast du die Hängematte gesehen? Den Jacuzzi?“ Alles wirkt leicht irreal und als wir dann unseren Beetlebungalow verlassen, bedanken wir uns ganz artig bei den kleinen Käferchen, denen wir ja die neue Unterkunft zu verdanken haben.

In der Villa wird alles nur abgeladen und weiter geht es dann zum Ausflug. Alles sehr hektisch, wir vergessen den Reiseführer und sitzen auch schon im Boot, welches uns zur Hauptinsel bringt. Erstmal durchatmen und die Überfahrt nutzen, um uns zu zwicken und zu fragen, was da gerade eigentlich so passiert ist.

Wir wären mit dem Bungalow mehr als glücklich gewesen, die bescheidene Unterkunft auf Tahiti war völlig in Ordnung, bei unserem letzten Toskanaurlaub haben wir sehr sehr glücklich in einer Jugendherberge gewohnt und würden dies wahrscheinlich auch wieder machen, aber einmal auch diese Art von Unterkunft kennenlernen zu dürfen, die wir uns zumindest in diesem Leben niemals auch nur im Ansatz hätten leisten können, dass hat schon etwas.

Auf Bora Bora angekommen, sind wir erstmal ratlos, was wir jetzt auf der Insel anfangen sollen, hatten wir doch eigentlich vorgehabt uns kurz vorher nochmal einzulesen. Da es eigentlich nur eine größere Straße gibt, leihen wir uns kurzerhand Fahrräder und fahren diese Straße einfach mal Richtung Süden zu den Stränden ab und schauen uns ein wenig um. Dies stellt sich als die genau richtige Entscheidung heraus. Wir fahren fröhlich die Straße entlang und sehen wahrscheinlich deutlich mehr, als unsere amerikanischen Mitreisenden die sich per Taxi in eine mehr oder weniger berühmte Strandbar kutschieren lassen.

Nach fast einer Stunde nehmen wir ein Kaltgetränk, schauen auf den Strand, dass türkise Wasser und den trotz Wolken wunderschönen Himmel und können unser Glück kaum fassen. Für solche Momente macht man wohl eine Hochzeitsreise.

Wir radeln zurück, füllen unsere Vorräte im Supermarkt auf und schon sitzen wir wieder in unserem Boot zum Hotel.

Dort schauen wir unsere neue Villa noch einmal in Ruhe an und können es immer noch nicht fassen. Die Liebste will ab der ersten Sekunde unsere Luxusherberge nicht mehr verlassen.

Die ein oder andere kleine Eidechse sprintet über unsere Terrasse  aber in der Hinsicht fügt die bessere Hälfte sich einfach in ihr Schicksal. Eine „was will man machen“ Haltung stellt sich ein und obwohl Sie sich immer noch vor den Viechern ekelt, wird das jetzt einfach in Kauf genommen.

Die nächsten 3 Tage höre ich von der besseren Hälfte des Öfteren „Wir sind im Paradies und ich will hier nie wieder weg“. Kommt der Sache auch ziemlich Nahe.

Wir verbringen die Tage damit alle möglichen Wassergeschichten, die angeboten werden, zu nutzen. Tretboot war öde, Doppelkajak machte richtig Spaß – wusste gar nicht, dass ich ein solches Talent an meiner Seite habe – und ich stelle mich gar nicht so blöde an, wenn es darum geht, auf diesen komischen Surfbrettern stehend durch die Lagune zu paddeln.

Das Wasser ist unglaublich warm, so dass wir wirklich ewig durch die Lagune schnorcheln und dabei im klaren Wasser so viele Fische sehen, wie wir es uns nie hätten Träumen lassen. Die sind auch so wenig scheu, dass sie um einen rumschwimmen und der besseren Hälfte sogar den Finger anknabbern.

Ansonsten liegen wir gerne am Pool und an „unserem“ Strand rum, lesen viel, genießen den Sonnenuntergang bei einem Bier, Essen gut in Bar und Restaurant, sind immer wieder völlig baff vom Service.

Als kleines Beispiel, die bessere Hälfte legt ihr Buch verkehrt herum hin, um nicht die Seite zu verschlagen und später weiter zu lesen. Nicht gut für den Einband, macht man aber halt mal auf die Schnelle so. Wir kommen zurück vom Strand, da war zwischendurch das Housekeeping Team da und beim rumputzen, nehmen die das Buch, drapieren es schön auf dem Couchtisch und legen ein eigenes Lesezeichen ein. Solche Kleinigkeiten machen dann wohl den Unterschied aus.

Die 3 Tage vergehen schnell und uns fällt es wirklich schwer, diesen Traum zu verlassen.

Wir verabschieden uns von Laurence, bei der wir uns nochmal von ganzem Herzen bedanken und die paar niedergeschriebenen Zeilen, in der wir uns bei Allen bedanken und ihr zu diesen grandiosen Mitarbeitern gratulieren, scheint sie schon zu rühren.

Wir besteigen das Boot, ein letzter Blick zurück und auf geht es zum Flughafen.

Madame legt diesmal Wert auf einen Platz auf der rechten Seite, kriegen wir hin und landen nach einem unspektakulären, von Wehmut begleitetem Flug wieder auf Tahiti.

Es ist grau, fast regnerisch und der Kontrast könnte kaum größer sein.

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2 Gedanken zu “Bora Bora 2.0

  1. This sounds desiuiocl. I really appreciate your tips about pan size, crust etc. I like to try a new cake every year at Easter. I'll test this one out first.

  2. WOW – that is so awesome to hear Shannyn! Really excited for you! And great to hear you can be frugal, too… ;-)So what are your favorite healthy snacks – any good recipes or tips?

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