Marathon again

Nach 3 bisher gefahrenen Marathons und auch dieses Jahr schon gefahrenen 160km hab ich den Marathon  etwas auf die leichte Schulter genommen und die einzige Vorbereitung war, sich in der Woche vorher nicht nochmal irgendwo kaputt zu fahren, wird schon irgendwie klappen, dachte ich mir, für diese laxe Einstellung habe ich dann ordentlich gelitten 😉Im Vorfeld mit Sunman und Timo festgestellt, dass die eher auf die kleineren Runden (150km) aus waren ging es also um 7Uhr alleine. Das ich am Abend vorher doch leicht versackt war war auch nicht gerade förderlich, aber 5h Schlaf müssen manchmal reichen und so nahm ich die 10km Anreise unter die Räder.

Dort angekommen wie auch in den letzten Jahren den organisatorischen Kram schnell erledigt, die Rodenkirchener sind da erfreulich gut drin, und auf gehts.

Vom Start weg geht es Richtung Eifel eigentlich immer leicht bergauf, nicht das es weh tun würde, aber auch nicht so, dass man richtig Gas geben würde. Es sei denn man hängt sich an eine Gruppe, so wie ich es tat und fährt bald im Pulk von etwa 25Fahrern. Die Jungs sind eindeutig zu schnell für mich, aber erstmal dran bleiben und hoffen, dass man den richtigen Moment findet um sich entspannt ins eigene Tempo zu ergeben.

Den ersten Verpflegungspunkt ignorieren wir und rollen weiter, nach 1:45h geht es in den ersten richtigen Anstieg hoch nach Todenfeld. Zu dem Zeitpunkt sind 52 km gerollt und der knapp 30er Schnitt ist ordentlich. Nicht nur ich, ein paar andere entschließen sich auch rauszunehmen, es bildet sich aber keine Gruppe sondern jeder fährt sein Tempo.

Nach ein paar kleinere Abfahrten geht es direkt in den nächsten Anstieg weiter hoch nach Michelsberg, noch bin ich guter Dinge, merke aber, dass ich die beiden kleinsten Kränze nicht schalten kann und mein try and error Rumgeschraube bringen mich auch nicht weiter. Aber egal, die Sonne scheint, die Anzahl der Autos hält sich für Eifelverhältnisse in Grenzen und ich bin flott unterwegs.

Bei einer längere Abfahrt freu ich mich den Zeitfahraufsatz montiert zu haben, nicht unbedingt um aerodynamischer zu sein, vielmehr um sich mal entspannt aufs Rad zu legen und die Handgelenke zu entlasten. Kann ich jedem nur empfehlen, der so etwas mal vorhat.

In Schuld angekommen erinnere ich mich an den bösen Anstieg und mir kommt wieder in den Sinn, dass die beiden fehlenden Kränze mir noch gehörig den Tag versauen könnten, aber man will ja nicht rumheulen und irgendwie finde ich einen entspannten Tritt der vielleicht nicht der Schnellste ist, aber mich auch nicht kaputt macht. An den Schulder Passionsfestspielen wo man dieses Jahr nicht wen ans Kreuz nagelt sondern lieber Wikkie und die starken Männer spielt geht es stetig bergauf und 320HM später frage ich mich immer noch, ob die Besetzung bei beiden Stücken wohl die Gleiche ist?  

Oben habe rund 100km in den Beinen, ziemlich genau 4h an Zeit verbraucht und bin noch recht glücklich. Halbzeit etwa.

Direkt nach der Abfahrt geht es bei Adenau in den Anstieg zu hohen Acht hoch. In Adenau ist die Anzahl der jungen Tätowierten erstaunlich hoch – Rock am Ring ist direkt um die Ecke.

Wiederum etwa 300Hm auf bestem Asphalt die sich schön rollen lassen. Langsam fange ich an, eine beiden fehlenden kleinsten Gänge zu vermissen und wünsche mir eine kalte Cola um auch mal was mit Kohlensäure zu trinken zu haben. Hitze von oben, Motorradfahrer und Raser neben einem, schade eigentlich weil dies ein richtig schöner Anstieg ist.

Nach der hohen Acht lasse ich rollen und liege minutenlang auf dem Zeitfahrlenker um durchzuatmen und die Gelenke zu schonen. Bei Kontrolle 4 stelle ich fest, dass ich für die letzten 30km ziemlich genau 90min gebraucht habe und die ersten Ermüdungserscheinungen kommen durch. Rettung naht in Form von Timo, der sich zwischendurch mit mir per SMS verständigt hat und bei K5 auf mich warten will.

Meine Prognose die laut Kontrollstellenmenschen etwas weniger als 30km in etwa 75min zu schaffen verfluche ich wenig später schon. Der Anstieg von Ahrbrück hoch nach Lind hat nur 250Hm, aber als ich mit einem Puls von über 160 und leider etwas weniger als 8km/h dort hochkurbele, kommt mir die Werbung für ein Bergzeitfahren an gleicher Stelle wie ein dummer Witz des Schicksals vor. Vergessen hatte ich natürlich auch, dass zwischen K4 und K5 nicht ein, sondern 2 Anstiege waren, was meine Ankunftszeitprognose immer unrealistischer werden lies.

Wieder 90min für 30km hatte ich dann also 60km in 3h geschafft. Mittelschwer begeistert war ich, leicht angeschlagen mittlerweile und 7h im Sattel. Zu keinem Zeitpunkt hätte ich Hilfe besser gebrauchen können und Timo durchschaute meinen Zustand sofort und machte sich ordentlich lustig was die ganze Sache etwas auflockerte…

Wieder aufs Rad sollte es die nächsten 75km leicht abfallend nach Hause gehen, ab und an ein kleiner Hügel aber nichts weltbewegendes mehr, so dachten wir.

Langsam machen sich meine Oberschenkel bemerkbar und ich muss ausgerechnet an den Trainer denken, den ich wegen seiner Krämpfe 2008 in FFm verlacht hatte. Die Rache kommt spät, aber sie kommt. Nach kurzem Stopp geht es vorsichtig weiter. Mittlerweile hänge ich nur noch am Hinterrad und passend zu meiner körperlichen Verfassung wird es immer dunkler am Himmel.
Mit einem Mal fängt es an zu schütten und ordentliche Böe schütteln uns durch. Da wir immer wieder die Richtung wechseln haben wir nie beständig Wind immer wieder blöst es voll ins Gesicht und Timo lässt sich seine gute Laune nicht verderben und singt im fröhlichsten Verhulststil Lieder und man merk ihn kein bisschen an, dass er auch schon 100km in den Beinen hat. Als wir mitten zwischen 2 Feldern bei schlimmsten Regengeschütte nochmal anhalten müssen, weil meine Oberschenkel wieder krampfen bekomme ich nur “Haste dir ein malerische Flecken Acker ausgesucht”
Ziemlich fertig ertrinke ich mit zeitgleichen Krämpfen in Ober- und Unterschenkeln fast in der eigenen Badewanne, aber dieser einmalige Abgang soll jemand Anderem vorbehalten bleiben.
Ohne Hilfe hätte das ein ganz Böses Ende genommen!
Gernot habe ich übrigens nicht mehr getroffen, Stefan der auch dabei war hatte sein Mobiltelefon vergessen…
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