Eschborn City Loop Rund um den Henniger Turm reloaded Radsport ist ein Mannschaftssport!

Prolog:

2005 nahm ich das erste Mal am damaligen Henniger Turm teil. 2008 mit dem legendären Jan Ullrich Treffen und 2009 sollten Folgen, also war eigentlich von Anfang an klar, dass auch 2010 wieder auf dem Plan stehen wird… warum ich so lange gezögert habe? Ich weiss es selbst nicht mehr, aber hinterher ist man immer schlauer und ich hätte mal besser früher das Ticket gelöst und so nen Haufen Spätanmeldungsgebühren gespart. Nächstes Jahr bin ich schlauer… vielleicht.
1. Etappe Rückblende.

Da muss man eigentlich schon im letzten Jahr anfangen um das Rennen dieses Jahr zu verstehen. Das Jürgen letztes Jahr aus der Wertung genommen wurde hat mich in zweierlei Hinsicht getroffen. 

Zum Einen habe ich ihm vorher immer gesagt, mach Dir keine Sorgen, fährst du auf einer Felge im Limit! Kann man ja hinterher nicht sagen Sorry, vertan. 

Zum Anderen weiss ich was er an Zeit, Training und Fleiss investiert hat. Dann rausgenommen werden ist mit Sicherheit wenig lustig, mich würde es jedenfalls sehr treffen.
2. Etappe Vorbereitung.

Es lief ganz gut. Im Winter für meine Verhältnisse nicht ganz so faul gewesen, ab Januar dank Patti zum Verdruss der Nachbar auch per Rolle unterwegs, hätte schlimmer sein können.

Trotz des garstigen Wetters hatte ich 70h Sport in den Beinen, etwa genauso viel wie 2009

3. Etappe Für manche Generalprobe, für mich Heimrennen.

Rund um Köln 2010 war fantastisch. Die Beine stimmten, Thomas war unser Gast, Bernd und Mattias sind extra angereist, Gernot wie immer gut gelaunt und am Besten war wohl, dass Wetter war uns hold. Ein sehr schönes Rennen in ansprechende Form, der verlorene Handschuh tauchte wieder auf und es bleibt einfach mein Lieblingsrennen.
4. Etappe Zwischen den Rennen.

Eigentlich hätte ich mich direkt nach Rund um Köln anmelden sollen, aber es galt noch die Anreise zu klären, etwas was leichtes Kopfschmerzen bereitete… Geli und Gernot reisten schon früher an, so dachte ich, Kumpel Timo konnte sich aus familiären Gründen nur kurzfristig entscheiden, der Wagen vom letzten Jahr stand nicht mehr zur Verfügung, und ein Leihwagen sollte erst als letzte Alternative genutzt werden. So wurde es immer knapper bis zum 1. Mai und ich stand noch ohne Anreisemöglichkeit da… ich gebe zu, gegen Ende wurde ich langsam nervös…
5. Etappe Letztes Training.

Im letzten Training bin ich mit Timo nochmal ordentlich durchs Bergische Land gekurbelt.

Ordentlich Höhenmeter sammeln und nen ordentlichen Bergtritt finden. Bei Rund um Köln hatte ich  einen Durchschnittspuls von 155 gehabt, ich kann über einen langen Zeitraum mit einem Puls von 160-165 treten ohne kaputt zu gehen, dass waren die Vorgaben und so ging es die Anstiege hoch. Wir kamen beide zu dem Schluss, dass man so wohl alle längeren Anstiege hochfahren könne ohne zuviel Pulver zu verschießen. Das gute Wetter und die guten Beine steigerten wohl auch Timos Motivation, eine Woche vor Start war ich verhalten optimistisch.

6. Etappe Die Anreisewende!

„Gernot fährt wahrscheinlich nicht in Frankfurt, ist noch nicht angemeldet“. Zwischen dieser Mitteilung an Jürgen und der Meldung „Christian und Gernot kommen mit Gernots Auto, Timo ist vielleicht auch dabei“ vergingen nur ein paar Stunden. Jürgen hatte mal kurzentschlossen den Hörer in die Hand genommen und so war 4 Tag vor dem Rennen alles klar. Ein Schwabe muss die Kölner organisieren 🙂 Jürgen meldetet Gernotn am Vorabend des Rennen an und Bernd – wie schon im letzten Jahr – kümmerte sich um meine Unterlagen. DANKE NOCHMAL!
7. Etappe Detailplanung.

Timo und ich fuhren nochmal im besten Radladen von Brühl vorbei, besprachen die Details – ABFAHRT 6.30Uhr !!!! – und ich wurde auch immer optimistischer das Timo auch dabei ist. Hatten wir von Frankfurt über Köln bis Hamburg und Triberg + dem 24h Rennen am Nürburgring schon viele Rennen miteinander durchlebt war meine Freude darüber sehr groß.
8. Etappe Alles ist klar

2. Tag vor dem Rennen war dann klar, dass Timo auch starte, der Treffpunkt war vereinbart, die nötigen Unterlagen versendet, die angespannte Vorfreude wächs täglich und beträchtlich. Wettervorhersagen waren nicht berauschend, aber wir sind Radsportler und keine Schönwetterfussballer!
Ruhetag

Am letzten Tag vorher nochmal mit Timo besprochen wie wir die Geschichte angehen. Im Prinzip gab es 3 Möglichkeite. 

  • Voll druff, wie sonst überall und bisher bei jedem Rennen.
  • Immer schön nach Puls fahren und nicht sich übernehmen. Nach dem Feldberg dann Gas geben und schauen was noch geht.
  • Wir eskortieren Jürgen über den Feldberg, dass dieser auf jeden Fall im Rennen bleiben kann und schauen dann oben wie es weitergeht. 
Natürlich auch gerne alle 3 Varianten in Kombination oder einfach schauen wie es sich entwickelt. So war der Plan.
9. Etappe Treffen zu unchristlicher Zeit

4.30Uhr an einem Samstagmorgen von der Katze geweckt zu werden ist grundsätzlich unfein. Dann aber sich nicht rumzudrehen und weiter zu schlafen, sonder aufzustehen, sich in enge Hosen zu zwängen und zu versuchen sich mit literweise Kaffee wach zu bekommen ist noch unfeiner. Aber was solls. Wie heisst es so schön, Rennfahrerblut ist keine Buttermilch. Den gepackten Rucksack geschultert und an den Schnapsleichen der letzten Nacht vorbei zum Treffpunkt am Barbarossaplatz. Timo ist pünktlich, Gernot auch direkt da. Räder rein und ab nach Frankfurt.
10. Etappe Anreise

Im Auto die üblichen Gespräche unter Radlern, die Zeit vergeht, der Himmel wird dunkler und der Regen fängt an. Wetzel hatte mir prognostiziert leichter Regen am Start, im Laufe des Tages wird es dann besser. Danach sah es überhaupt nicht aus. Es schüttete regelrecht. Meine leicht panische Frage nach dem Wetter am Start wurde von Jürgen in gewohnt ausufernder Art mit „Trocken“ beantwortet. Also Hoffnung. Angekommen, Parkplatz kein Problem, Fahrräder fertig machen, ewig hin und her überlegen Regenjacke ja oder nein, Beinlinge ja oder nein, all die wichtige Sachen halt. Ab zum Kreisverkehr dem Treffpunkt.
11. Etappe Treffen

Jürgn, Rosi, Bernd, Mattias, Thomas, Schlecki Wolf + Rani, wir Kölner sind die letzten und alle sind beisammen. Sehr schön. Großes Hallo und Vorfreude, die Startnummern werden noch angebracht und dann geht es auch schon in die Startblöcke. Thomas, Mattias und Bernd sind weiter vorne, Rosi auf einmal verschwunden. Die restlichen 5 entschließen sich gemeinsam in einen hinteren Startblock zu gehen und gemeinsam loszufahren. Wolfs 350 Trainingskilometer reichen ihm… Ziehe meine Hut davor und freu mich, dass er dabei ist.

12. Etappe Auf die Plätze fertig los.

Zwischen Startschuss und dem Überqueren der Startlinie vergehen reichliche 15min, hoffentlich keine Zeit die uns hinten raus fürs Limit fehlt denke ich noch, aber was man nicht ändern kann muss man ertragen. Die Straßen sind noch nass, so dass ich etwas vorsichtig um die Ecken gurke…
Wir bleiben zu fünft zusammen und reihen uns immer schön ein. Kurz mit Timo besprochen und wir   entscheiden definitiv bei den nassen Straßen und dem kalten Wetter erstmal langsam zu machen. 
13. Etappe Die ersten KM.

Ich setze mich vor Jürgen und versuche ihm ein guter Windschatten zu sein. Es geht durch Frankfurt und im Prinzip bleiben wir 5 zusammen, mal fährt der Eine etwas nach vorne, mal der Andere, aber immer in Sicht- und Reichweite. Die vom Thomas beschrieben Schienenkreuzungen überqueren wir vorsichtig, hängen uns immer wieder an Gruppen ran, was Angesichts unserer Gruppengröße aber eigentlich auch nicht nötig ist. Nach engen Kurven oder leichten Anstiegen versuche ich Jürgen immer wieder gleichmäßig an die anderen ranzufahren. Er soll sich sine Kraft einteilen und keine Körner verschwenden. Alles klar, Tempo gut, dieser Satz fällt häufiger. Wolf tritt flüssig man merkt ihm definitiv nicht an, dass er erst 350km in den Beinen hat. Ich fahr neben ihn und konfrontiere ihn mit der Aussage, dass es oben am Feldberg Sturmböen hätte, was 50Kilo Wolf leicht aus der Fassung bringt. Leider kann ich nicht länger Ernst bleiben und er merkt, dass dies nicht so ganz der Wahrheit entspricht.
14. Etappe Raus aus Frankfurt

So geht es dann auch aus Frankfurt raus. Das Tempo ist ordentlich, wir stimmen uns gut ab und es kommt wirklich das Gefühl auf als eine Mannschaft zu fahren. Timo fährt vorne weg und ich wundere mich kurz, hatten wir doch eben noch kurz besprochen bis oben bei Jürgen zu bleiben. Als ich ihn dann an ein HR Schild pinkeln sehe, frage ich mich kurz, ob das ein Statement zu öffentlich rechtlichen Berichterstattung über den Radsport oder Zufall ist… Kurz eine Energieriegel verspeist – Dank an Christof vom http://www.rennradblog.ch Ihm habe ich den Maracujageschmack zu verdanken den ich nie selbst gekauft hätte der aber echt gut war.
15. Rein in den Feldberg

Bevor es richtig in den Feldberg geht, muss ich auch nochmal meine Blase leeren. Ein Antritt und schon kann ich mich ein paar Meter nach vorne absetzen. Die Beine sind definitiv gut denke ich mir noch, tu was ein Mann tun muss und reihe mich wieder ein um wieder zu den Anderen aufzuschließen. Ich fühl mich fast schlecht alls ich auf den nächsten 500m reihenweise Jungs und Mädels überhole, aber komme auch schnell wieder an meine Jungs ran und so kann es im alten Trott weitergehen. Wolf setzt sich nach vorne ab, er will am Berg sein leichtes Gewicht ausspielen, wenn man wenig trainiert hat muss man halt in die Waagschale werfen was man hat. Gernot pedaliert stetig seinen Stiefel runter und bleibt immer in Sichtweite. Timo und ich quatschen und vertreiben uns die Zeit. Wir fahren nicht absolut am Limit, der Puls pendelt zwischen 140 und 150, aber eine Spazierfahrt ist das auch beileibe nicht. Jürgen bleibt am Hinterrad und wenn der Abstand zu groß wird nehme ich einen Tritt raus. 
16. Den Gipfel erreicht.

Wir sind oben. Kurzes Abstimmen, wir haben nen 27,8er Schnitt bis dahin, rausgenommen wird von uns mit Sicherheit niemand und Jürgens neues Ziel 28er Schnitt sollte auch in Reichweite sein. Die Beine fühlen sich noch gut an, und in mir kommt eine fröhliche „Wir machen jetzt Alarm Stimmung auf“. An Timo rangefahren und mit einem fröhlichen „Auf gehts“ zum Sturm geblasen. Er sagt wir sollen noch warten, Gernot musste kurz Wasser lassen und wir stürzen uns zu viert in die Abfahrt. Jürgen vertraut definitiv seinen Bremsen, denke ich noch als er an mir vorbeischießt. Die Abfahrt vom Feldberg genommen und weiter geht es.

Ruhetag

Bis zum Feldberg oben hatte ich einen Durchschnittspuls von 145, ab dann bis in Ziel 155, dass bei teilweise auch abschüssiger Strecke, also im Flachen deutlich mehr getreten, nur als Anmerkung für die Statistiker oder an Leistungsdaten interessierten.
17 Etappe. Im Flachen wie ein Wirbelwind.

Wir treten rein, was die Beine noch hergeben. Top gelaunt macht es richtig Spaß auch mal in der 2. Rennhälfte noch richtig frisch zu sein. Timo raunzt mir zu, dass er schlecht Luft kriegen würde und das ich ja noch ordentlich Zug auf der Kette habe, also ist klar, dass ich etwas mehr Arbeit im Wind verrichte. Wann genau wir Jürgen und Gernot verlieren kriege ich gar nicht mit. Die erreichen das Ziel ohne Problem und auch in einer guten Zeit denke ich mir und trete weiter. wir wechseln gut, fahren immer wieder auf Gruppen auf, ruhen uns kurz aus und geben wieder Gas. Es macht mächtig Spaß. Ich halte immer wieder Ausschau nach dem Wolf, bei jedem roten Trikot denke ich, dass er es ist. Bald haben wir ihn und leider sind wir zu schnell, als dass er sich dranhängen kann.

18. Etappe Bergwertung für Timo.

Am Ruppertshainer schalte ich in den kleinsten Gang und trete in stiefele mit hoher Frequenz das Ding hinauf. Timo flucht ein wenig, ist aber wie gewohnt am Berg stärker und holt sich unsere interne Bergwertung. Am Ende revanchiert er sich und überlässt mir den Zielsprint. Kurz kommt Wehmut auf, als wir die Stelle passieren wo letzte Jahr noch Eddi, Belli und Wetzel uns anfeuerten…
19. Etappe Alles geben auf dem Weg nach Hause.

Der Rest bleibt wie gehabt. Bis zur Ziellinie habe gute Beine und kann Druck machen. Laut Timo hat uns auf dem Stück vom Ruppertshainer bis ins Ziel niemand mehr überholt. Einmal noch haben wir einen 3. Verbündeten der auch noch ordentlich reintritt, ansonsten versuchen sich Fahrer immer wieder dran zu hängen die dem hohen Tempo nicht standhalten könne. Ein Fahrer lutscht ewig um uns dann an einem kurzen Anstieg noch zu überholen, dass stellen wir dann aber im Flachen wieder klar und rauschen an ihm vorbei…

20. Etappe Zielsprint.

Geht an mich 🙂
21.Tour d’honneur

Alle im Ziel, alle gesund, alle glücklich, alle froh.
Jeder hat irgendwie sein Ziel erreicht. 

Thomas taucht auf, Rosi ist eh schon da so warten wir auf den Rest. Gernot und Wolf tauchen kurz nacheinander auf und bald ist auch Jürgen da. Das Übliche „Nach dem Rennen Gequatsche“ 

Bernd und Mattias finde ich leider im Zielbereich nicht mehr, nach kurzem Aufenthalt verabschieden wir uns vom Wolf und Rani, an Gernots Bus gibt es noch eine kleine Mahlzeit und ein wenig Campingplatzflair…

Radsport ist in erster Linie Mannschaftssport und zumindest bis in die Abfahrt vom Feldberg haben wir das auch demonstriert.

Im nächsten Jahr werden die Karten neu gemischt, und wer weiss, was bis dahin ist und wer dann zu neuer Stärke gefunden hat, wer erstmalig dabei ist und wer wen zieht.