Grabsch hört auf und ich darf mitfahren

Bei einer kleinen abendlichen Trainingsrunde sehe ich das Plakat, welches Werbung für den Komet in Hürth, Abschiedsrennen von Ralf Grabsch. Mal anhalten und schauen wer da so startet… Aha, klingt ganz nett, aber richtig aufmerksam werde ich, als in der Ausschreibung von einem Jedermannpaarzeitfahren die Rede ist. Einzelzeitfahren für Jedermänner gibt es ja nicht so viele, und Paarzeitfahren noch viel weniger… Da will ich hin, da will ich unbedingt hin!!!

Also, entweder nach Hause oder mal beim Gernot vorbeischauen, der in der Regel bei solchen Veranstaltungen immer irgendjemanden kennt oder irgendwas weiss… Gernot hat viel zu tun, daher fahre ich weiter nach Hause, berichte der Süßen von der Veranstaltung, bekomme die Startfreigabe und mache mich weiter auf die Suche nach Information im Netz.

Schnell alle nötigen Infos beisammen, 2 emails geschrieben und hoffen, dass noch ein Startplatz frei ist, am nächsten Tag kommt dann auch die Bestätigung. Detze sagt auch direkt zu mit dabeizusein, es läuft…

Am nächsten Abend fahr ich einfach mal zur Strecke und fahre diese ab… 1,4km Rundstrecke die man dreimal durchfährt… Nicht wirklich spannend aber auch nicht komplett flach, insgesamt also 12 x 90Grad Kurve 12mal neu antreten, so sieht wohl die Strecke eines klassischen Kriteriums aus.

Die weitere Vorbereitung hätte unser Exkanzler wohl als suboptimal bezeichnet. 4 Tage mehr oder weniger im Bett liegend versuche ich mich von einer Virusinfektion zu erholen. Jeden Morgen fühle ich mich besser, Abends wieder schlecht.

Am Tag vor dem Rennen fahre ich nochmal zur Strecke, nochmal schauen wie man die Kurven nehmen kann, wo man vielleicht aufs mittlere Blatt schalten muss und vor allen Dingen wo es Sinn macht sich auf den Zeitfahraufsatz zu legen, den ich mir extra geliehen und montiert habe. Der gesundheitliche Zustand lässt aber ordentlich zu wünschen, der Virus steckt noch im Körper und ich gurke mit niedrigem Tempo und hohem Puls durch die Gegend.

Am Tag des Rennens dann lacht mir die Sonne leider nicht entgegen sondern der Tag startet mit Nieselregen… Gegen frühen Nachmittag starten wir mit in gemächlichem Tempo da die Süße mit ihrem Damenrad nicht ganz so schnell unterwegs ist, aber in weniger als 30min sind wir dann schon in Gleuel.

Auf der schon abgesperrten Strecke finden bereits die ersten Jugendrennen, ganz putzig wie die 6-8jährigen um die Wette fahren.

Bei der Startnummernausgabe holen wir die Nummern, und während wir da so die Nummern anbringen steht auf einmal ein gewisser Herr Grabsch Bert neben mir. Denke mir noch kurz, dass ich ganz froh bin, dass ich nicht gegen ihn fahren muss… Wir haben kurz die Möglichkeit eine Proberunde zu drehen, für mich nix Neues, die Strecke ist genau wie von mir abgefahren.

Zeit verfliegt und langsam gilt es sich aufzustellen. Procedere ist etwas eigentümlich, man starte in 4er Blöcken mit jeweils 20sec Abstand… Aha… Als erstes geht Jens Voigt mit der Frau des Clubpräsidenten auf die Reise, 3 weitere Teams starten dann im 20sec Abstand. Nach 4 Teams gibt es also die erste Richtzeit, 7:30min, bei meinen Proberunden hatte ich entspannt gefahren über 11min gebraucht.

Während die nächsten 4Paare auf die Strecke gehen machen wir uns langsam auch fertig, wir sind das erste Paar der 3.Gruppe. In der 2.Gruppe kommt es zu den ersten Überholungen, Stefan Schreck gehört zu den Überholern. Dreht man sich mal um und oh Schreck, hinter uns steht Bert Grabsch mit so nem anderen Vogel der ebenfalls im HTC Trikot aufläuft und der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Exprofi ist.

Prost Mahlzeit, ein Ex-Zeitfahrweltmeister wird uns jagen…

Start und auf geht‘s, von Anfang an volle Pulle, Zuschauer links und rechts geht es ca 300m leicht bergauf, Puls direkt am Anschlag, rechts ab und ca 100m Minimalanstieg, alles noch auf dem großen Blatt, an der höchsten Stelle der Strecke auf den dicksten Gang, auf den Lenker gelegt und leicht abschüssig Vollgas! 600m Topspeed auf breiter Straße unten scharfes Bremsen und in eine enge Kurve die mit Strohballen gesichert ist. Nach 100 wieder scharf rechts und dann leicht ansteigend Richtung Ziel.

Erste Runde geschafft! Der Herr Grabsch hat noch nichtmal 20sec auf uns rausgefahren!

Kurz nach der Startpassage allerdings taucht dann der Herr Grabsch auf, allerdings scheint sein Mitfahrer das Tempo nicht mithalten zu können, Grabsch hat ihn verloren 🙂

Bert und ich gehen zeitgleich auf den 100m Anstieg und ich ruf ihm rüber, dass er oben gefälligst warten soll, er reagiert wenig und macht piano so dass sein Mitfahrer aufschließen kann, so kommt es dazu, dass wir Seite an Seite das hochfahren. Oben sind wir dann alle 4 beisammen und die Profis geben Gas, wir versuchen uns ranzuhängen stürzen uns aber nicht ganz so tollkühn in die Kurve und verlieren nach der nächsten Kurve den Anschluss.

Als wir auf die nächste Runde gehen sehen wir die beiden noch, an ein ranfahren ist aber nicht zu denken.

Zu dem Zeitpunkt fahren wir so etwa 5min schon absolut am Limit, in der letzten Runde gehe ich bergauf kurz auch aufs mittlere Blatt, mein Kumpel geht das erste Mal in Führung. Der Rest ist einfach nur drauftreten was die Beine hergeben. 7:30 im Ziel!

Im Auslauf maule ich noch den Bert an, dass Sie ja auch ruhig mal hätten warten können, er meint wir hätten uns ja auch was beeilen können… Hat er ja auch nicht ganz unrecht.

Nachdem alle Paare durch sind gibt es die Siegerehrung, unüberraschenderweise haben wir es nicht aufs Podium geschafft, welche Platzierung wir haben erfahren wir leider auch nicht. Da es einigermaßen frisch ist, entscheiden wir uns dafür, nach dem Start zum Abschiedsrennen wieder nach Hause zu radeln. Plötzlich tauchen noch Geli und Gernot. Fröhliches Hallo, austauschen über Heimerdingen und dann auch schon wieder Abschied.

Denkste.

Pattis Rad hat nen Platten. Meine Hoffnung ist Gernot, der eigentlich sowas immer in seinen Auto hat. Gefragt, getan. Der Schlauch wird gewechselt, wir wollen los, doch obwohl wir den Mantel beide kontrolliert haben ist er direkt wieder platt!!!

Durch die verzögerte Abfahrt komme ich noch dazu, per Aushang das Endergebnis zu erfahren, um 0,03sec an den Top Ten gescheitert, wobei sich dort auch vorwiegend Paare mit Profis tummeln.

Geli und Gernot sind erneut die Rettung und bieten an Patti + Fahrrad mit nach Köln zu nehmen! Wir schauen das Rennen noch zu Ende an, welches Grabsch trotz div. Attacken von Wüst und Heppner gewinnt, vor seinem Bruder und Jense Voigt, und es kommt zum nächsten Rennen, zurück nach Köln! Fahrrad gegen Auto, welches ich eindeutig gewinne da das Auto durch den Abreiseverkehr behindert ist…

Nochmal DANKEDANKEDANKE an Geli und Gernot, der es sogar sich nicht nehmen lässt das Rad am nächsten Tag komplett auf Vordermann zu bringen!!!

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